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Was bringt die Lichtfeldkamera von Lytro?

Ich habe lange überlegt, ob ich etwas über die Lytro Kamera schreiben soll. Normalerweise schreibe ich ungern über solche Ankündigungen, da diese Artikel schnell nur die (bekannten) Fakten wiederholen. Aber kann jetzt doch nicht widerstehen, ein paar Worte über die Kamera und die Idee hinter der Lichtfeld-Fotografie zu verlieren.

Die Lichtfeldkamera nutzt ein völlig anderes Konzept, wie die Kamera ein Motiv »sieht« als alle bisherigen Kameras. Grob gesagt, erfassen heutige Kameras nur die Menge an Licht, die auf einen bestimmten Punkt des Sensors fällt. Bei der Lytro Kamera wird zusätzlich auch die Richtung – aus der das Licht auf den Sensor fällt – erfasst. Durch diese zusätzlichen Informationen wird es möglich, per Software nachträglich den Fokus zu verändern. Ähnlich, wie es heute mit dem Weißabgleich und der Belichtung (bis zu einem gewissen Punkt) bei RAW Aufnahmen möglich ist.

Das Konzept des »Lichtfelds« an sich ist schon seit einiger Zeit bekannt (seit etwa 1936). In den 90er Jahren wurde die Technik dann auch zur Erstellung von Computergrafiken eingesetzt. Allerdings waren damals schon spezielle und umständliche Geräte dafür erforderlich: z.B. das Geniometer und das Stanford Multi-Camera Array. Für die normale Fotografie wäre das alles sehr unpraktisch, weshalb sich der Einsatz bisher auf Spezialgebiete beschränkte.

Geändert hat sich das erst, als Ren Ng (Gründer von Lytro) in seiner Doktorarbeit von 1996 2006 beschrieb, wie das Lichtfeld mit Hilfe eine Mikrolinse – die zwischen der Hauptlinse und dem Sensor angebracht ist – erfasst werden kann. Dadurch ist es möglich geworden, das Konzept auch bei kleinen Kameras anzuwenden.

Was viele Artikel über Lytro unerwähnt lassen ist, das es bereits funktionierende Lichtfeldkameras gibt – von Raytrix einem deutschen Hersteller. Aber die Firma ist klein und natürlich nicht mit einer solchen Kapitalspritze (50 Millionen Dollar) wie Lytro gesegnet. Trotzdem ist es eine große Leistung, wenn man bedenkt, wie raumfüllend diese Technik vor einiger Zeit noch war und das dieses Jahr eine kompakte Lichtfeldkamera im (normalen) Handel erhältlich sein soll.

Was mich jedoch verwundert, ist die Fokussierung von Lytro auf den Consumer Bereich. Die aufgeführten Argumente »Kein Autofokus, Geschwindigkeit (für Schnappschüsse), Handlichkeit« zielen jedenfalls auf den klassischen Bereich der Point and Shoot Kameras ab. Dabei glaube ich, das diese die Möglichkeit der Lichtfeld-Technik gar nicht brauchen werden. Die Kameras in den heutigen Handys sind ebenfalls schnell, simpel und fokussieren quasi ohne Zeitverzögerung. Durch ihre große Schärfentiefe, wird ein punktgenauer Fokus überflüssig. Zudem bearbeiten die wenigsten ihre Fotos am Computer nach (z.B. um den Fokuspunkt zu setzen). Genauso wenig, wie sie heute mit den Reglern den Weißabgleich oder die Belichtung ändern. Und die Spielerei, dass der Betrachter selber den Fokus festlegen kann, ist auch nur die ersten zehn Mal faszinierend. Warum fokussiert Lytro also das Marketing so stark auf den Consumer Markt und nicht auf den Pro Bereich? Denn dort würden die sich bietenden Möglichkeiten sicherlich stärker genutzt und auch freudig erwartet.

Ich glaube, das es dafür ein »Problem« mit der Bildqualität gibt: In der Theorie von Ren Ng, reduziert sich bei einer Mittelformat-Kamera – durch die Mikrolinsen – die effektive Auflösung auf 0,1 Megapixel (!). Schließlich benötigen die zusätzlichen Informationen »Platz« auf dem Sensor, um dort erfasst werden zu können. Es wird interessant sein, ob Lytro dafür eine adequate Lösung gefunden hat bzw. finden wird. Bei den Kameras von Raytrix ist das Verhältnis von 1/4 zur ursprünglichen Auflösung schon besser (max 3 Megapixel), aber hier ist der Fokussierabstand auch fest.

Die Ergebnisse der Kamera sind sicherlich für den Consumer Markt – wo die Fotos hauptsächlich im Web und für’s Familienalbum genutzt werden – sicherlich ausreichend. Für die Verwendung in der professionellen Fotografie reicht scheinbar die Abbildungsqualität und Auflösung nicht aus. Wenn man in die Beispielbilder auf der Lytro Website mal reinzoomt, sieht man, das diese Pixelmäßig nicht mehr viel hergeben.

Gelöst werden kann dieses Problem wahrscheinlich nur mit Sensoren, die noch wesentlich höher aufgelöst sind als heute. Theoretisch wäre dies möglich, derzeit sehen die Hersteller dafür aber noch keinen Nutzen. Mit der »Lichtfeld-Fotografie« könnte sich jedoch ein Markt auftun, der die Produktion von noch Sensoren mit noch größeren Megapixel-Zahlen rechtfertigt.

Langfristig betrachtet, sehe ich den großen Nutzen der Lichtfeld-Fotografie nicht im Markt der Point and Shot Kameras, sondern im (Semi)Professionellen Bereich. Hier allerdings nur, wenn es gelingt, dass die Kameras eine marktfähige Bildqualität zu einem angemessenen Preis bieten. Dann könnte eine solche Kamera der Traum für alle Fotografen werden, die unter sich schnell ändernden Bedingungen arbeiten: Sportfotografen, Hochzeitsfotografen, Fotojournalisten, Tier- und Unterwasserfotografen usw.

Wenn die Qualität stimmt, werden die zusätzlichen Daten des Lichtfeldes gepaart mit der richtigen Software, völlig neuartige Möglichkeiten in der Fotografie schaffenund damit zu einer revolutionären Technologie werden.

4 Kommentare zum Beitrag “Was bringt die Lichtfeldkamera von Lytro?”

  1. Das diese Technik irgendwann kommen wird, davon gehe ich mal aus. Aber ob die beim Otto-Normalverbraucher behaupten wird, das glaube ich nicht so richtig. Wenn dann müsste diese Kamera schon die größe einer kleinen Kompaktkamera haben um am Markt eine Chance zu haben. Gehen wir mal davon aus das ich im Urlaub, wie der Slagan von Lytro schon sagt “Shoot now, focus later”, einfach ohne darauf zu Achten worauf ich Fokussiere, ein Bild schieße. Zuhause müsste ich dann wahrscheinlich erstmal alle Fotos sichten und ggf. die Schärfeebene kontrollieren und eventuell neu einstellen. Also bei 2000 Fotos hätte ich dazu ehrlich gesagt keine Lust.

    • Das sehe ich genauso. Die meisten machen ein Foto, laden es auf den Computer und vergessen es dann. Nur die wirklich ambitionierten Fotografen betreiben ja den Aufwand mit sichten, nachbearbeiten etc. Und für diese wird die Qualität wohl nicht ausreichen. Eine andere Erklärung, warum Lytro nicht genau diese Leute (und die Pros) umwirbt, habe ich nicht.

  2. Guenter sagt:

    Sehr schöner Artikel. Ich stimme voll zu, dass das Problem dieser Kamera die Auflösung des Bildsensors sein wird. Theoretisch klingt das alles sehr interessant, doch wie gut die Bilder wirklich sind, ist anhand der bisher veröffentlichen Flash-Animationen schwer zu beurteilen.
    Kleine Berichtigung: Ren Ng hat seine Doktorarbeit erst 2006 (nicht 1996) eingereicht.

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