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Bilora Geotagger GT-01 – Geotagging mit Schwächen

Der Bilora Geotagger GT-01 im Blitzschuh

Vor ein paar Tagen bin ich auf die Idee gekommen, meine Fotos der kommenden Reise mit GPS-Informationen anzureichern. Im Moment ist der Nutzen von geogetaggten Fotos zwar noch recht gering, aber in Zukunft sind solche Daten eventuell doch ganz nützlich. Dank eines Screencasts von Markus Dollinger und einem Erfahrungsbericht von Thomas bin ich af den Geotagger GT-01 von Bilora aufmerksam geworden. Das Gerät machte von der Beschreibung her einen guten Eindruck. Die Tatsache, dass das Gerät im Betrieb sofort einsatzbereit ist (und nicht erst Satelliten gesucht werden müssen), sorgten für ein gutes Gefühl. Kurzentschlossen und mit voller Vorfreude, hatte ich das Gerät bestellt und weniger Tage später konnte ich es auch schon testen.

Das Gerät und die Benutzung

Die Bedienung des Bilora GT-01 ist sehr unspektakulär. Einfach auf den Blitzschuh der Kamera stecken und fertig. Sobald die Kamera eingeschaltet ist und Fotos gemacht werden, zeichnet der Geotagger automatisch die Position auf. Dieser Prozess dauert nur Bruchteile von Sekunden. Zusätzlich gibt es eine »Capture«-Taste, um auch manuell die Position aufzeichnen zu können. Diese Taste ist insofern praktisch, da innerhalb von Gebäuden keine Positionsdaten empfangen werden können. In diesem Fall kann die Taste vor oder nach dem Shooting gedrückt werden, wenn man sich wieder außerhalb des Gebäudes befindet. Leider zeigt der GT-01 allerdings nicht an, ob er Daten empfangen hat oder nicht – die Kontrollleuchte blinkt immer grün.

Nur mit dem Aufzeichnen der Positionen ist es aber nicht getan. Anschließend müssen am Computer die Positionsdaten vom Geotagger, mit den Fotos auf der Kamera zusammengeführt werden. Das ist auch der größte Unterschied, zu den herkömmlichen GPS-Geräten, die die Koordinaten direkt über die Kamera in die Dateien schreiben.

Für diesen Zweck wir dem Bilora Geotagger eine Software (»Taggr« von Ublox) mitgeliefert, die unter Windows und Mac OS X (mit dieser habe ich gearbeitet) lauffähig ist. Zuerst werden die Daten vom Geotagger ausgelesen und mit Hilfe von Datenbanken im Internet zu genauen GPS-Koordinaten verarbeitet. Daher ist für diesen Vorgang eine stabile Internetverbindung Voraussetzung. Zusätzlich zu den Koordinaten wird der Standort in der Form »Straße, Ort, Bundesland, Land« und auch Sehenswürdigkeiten in der Nähe ermittelt. Diese können auf Wunsch ebenfalls in der Bilddatei hinterlegt werden. Das ist ein sehr praktisches Feature und ein Vorteil zu den herkömmlichen GPS-Geräten: Denn diese schreiben nur die Koordinaten in das Bild.

Anschließend muss der Ordner mit den Fotos ausgewählt werden. Nach einer Kontrolle der Daten, können dann die zusätzlichen Informationen in die Bilddateien hinterlegt werden. Bei JPG-Bildern, werden die Daten direkt in den (unsichtbaren) Dateiheader geschrieben und bei RAW-Bildern (außer bei DNG), wird eine zusätzliche XMP-Sidecard Datei angelegt.

Genauigkeit des Geotagger GT-01

Angegeben ist vom Hersteller eine Genauigkeit von 50 Metern. In meinen Tests hat die ermittelte Position auch ziemlich genau mit dem wirklichen Standort übereingestimmt. Ein Problem allerdings, stellen die »Ausreißer« zwischendurch dar. So kann es schon einmal passieren, dass Fotos die am gleichen Ort aufgenommen wurden (ohne sich zu bewegen), nicht die selben Positionsdaten erhalten.

Ein wesentlich größeres Problem in der Praxis ist jedoch die Zuordnung der Koordinaten zu den geografischen Orten. So wurde bei mir im Test ein Fotos fälschlicherweise nach »Steinstücken, Potdam, Brandenburg, Deutschland« zugeordnet, obwohl Steinstücken in Berlin liegt. Korrekt hätte es also lauten müssen: »Steinstücken, Berlin, Berlin, Deutschland«. Natürlich, der Test an diesem Ort war schon etwas gemein, da er an der ehemaligen DDR-Grenze liegt und Steinstücken damals komplett von der DDR umgegeben war. Allerdings ist es auch ein Zeichen dafür, dass es an anderen Orten evtl. ähnliche Fehler gibt. Und ich mich dort nicht so gut auskenne und mir solche Fehler daher kaum auffallen können. Aber gerade bei solchen Ortsinformationen muss schon sehr genau gearbeitet werden und solche Fehler können im Nachhinein schon recht peinlich werden. Deshalb muss ich mich bei einem solchen Gerät auf die Angaben auch verlassen können.

Das Problem mit dem Workflow

In der Theorie hört sich die Benutzung vom Bilora Geotagger sehr unspektakulär und einfach an. Eigentlich ist es das auch, wenn man nicht schon einen sehr eingespielten Workflow hat, indem sich die Software vom Geotagger integrieren muss.

Ein gewisser Nachteil ist auch die Voraussetzung einer Internetverbindung. Gerade bei Reisen, ist aber mit einer guten Internetverbindung selten zu rechnen. Es gibt zwar die Möglichkeit, die Daten vom Geotagger auf der Festplatte zwischenzuspeichern, und den Abgleich später durchzuführen. Da ich allerdings während der Reisen die Bilder schon in Adobe Lightroom importiere, bearbeite und beschrifte, gibt es für mich keine Möglichkeit, nachträglich die GPS-Koordinaten in den Bilddateien zu hinterlegen. Denn die Taggr-Software ignoriert leider bestehende XMP-Sidecard Dateien und überschreibt diese einfach und bei Lightroom gibt es derzeit keine Möglichkeit, eine XMP-Sidecard mit den Informationen in der Lightroom Datenbank zu synchronisieren.

Bei der Geotagger Software ist es daher erforderlich, dass der Abgleich der Positionsdaten mit den Bildern direkt nach dem Laden der Bilder von der Kamera erfolgt. Also, noch vor einem Import in Adobe Lightroom, Apple Aperture oder ähnliche Programme zur Bildverwaltung. Ansonsten gibt es entweder keine GPS-Informationen in den Bildern oder alle Bearbeitungen und Beschreibungen sind weg.

Für dieses Problem mit dem Abgleich habe ich bislang – trotz intensiver Recherche und Versuchen – keine Lösung gefunden.

Das Problem mit gelöschten Fotos

Die Software »Taggr« hat ein ziemliches Problem, wenn die Anzahl der gespeicherten Positionen und der Fotos stark voneinander abweicht. Dann kann es passieren, dass die Zuordnung nicht mehr korrekt funktioniert und Bilder die falschen Koordinaten zugewiesen bekommen, was nachträglich per Hand korrigiert werden muss. Das gleiche Problem tritt auf, wenn es weniger Positionsdaten als Fotos gibt. Daher sollten bei der Verwendung des GT-01 auf das Löschen der Fotos direkt auf der Kamera verzichtet werden.

Fazit

So gut wie die zugrundeliegende Idee hinter dem Geotagger auch ist, so schlecht ist die praktische Umsetzung mit der Software in manchen Details. Wirklich zuverlässig läuft die Kombination leider nur, wenn …

  • … man beim Abruf der Fotos von der Kamera und der Daten vom Geotagger eine Internetverbindung hat
  • … die Zuordnung der Positionsdaten zu den Fotos direkt nach dem Abruf macht
  • … vorher keine Fotos auf der Kamera gelöscht werden
  • … man immer noch etwas Zeit für die manuelle Korrektur aufbringen möchte und auch die Daten auf Plausibilität prüft

Das sind allerdings für mich alles keine Dinge, die ich in der Praxis gewährleisten kann oder das der Mehrwert durch die GPS-Daten so hoch ist, dass ich bereit bin mehr Zeit dafür zu investieren. Deshalb habe ich das Gerät auch wieder zurückgeschickt.

13 Kommentare zum Beitrag “Bilora Geotagger GT-01 – Geotagging mit Schwächen”

  1. Seb sagt:

    Hallo Christian,

    ich wundere mich echt, warum Du Dir das mit dem GPS-Rohdatensammler antust. Du hast doch eine GPS-fähige Nikon D300. Die kann direkt in das EXIF von JPEG und RAW (ohne SideCar, Software, Internet!)schreiben.

    Da siehst Du schon im Display der Kamera bzw. am Geotagger, was das Geotagging macht. Ordentliche GPS für Nikon haben zudem eine Auto-Indoor-Funktion, die beim Betreten eines Raumes ohne GPS-Empfang die Koordinaten ohne weiteres Zutun puffert. Du muss also auch aus der Gasse auf die Kreuzung zurück, wenn der Empfang mies ist …
    Die Ortsnamen kannst Du dann immer noch mit diverser Software ins IPTC schreiben.

    Du kannst Bilder auf der Kamera löschen wie Du willst, kannst je nach Modell zusätzlich den Weg mitloggen, per Kompassfunktion die Blickrichtung mitspeichern, und so weiter und so fort.

    Einziger Wermutstropfen: Erhöhter Akkuverbrauch. Aber der Akku der D300 kann das GPS im Dauerbetrieb locker über 24h mit Strom versorgen. Je nach Kameranutzung hält der Akku so meist für 1-2 manchmal 3 Fototage á 8h.
    Was soll, dafür lade ich nur Kameraakkus, brauch kein anderes Ladegerät, hab alles im Blick, …

    Meld Dich mal bei mir. Ich berate gerne. Gibts dann gleich noch Software-Tipps zur weiteren Nutzung der GPS-Fotos. Email und Homepage mit Kontaktdaten hast Du ja jetzt.
    Gruss
    Sebastian

  2. Matthias Franke sagt:

    Hallo,

    ich habe eine CANON 550D -> was würdet Ihr dann empfehlen?
    Bilora oder Jobo, oder gibt es noch was besseres?

    Danke.

    Matthias.

  3. @Matthias: Am besten du fragst Seb einmal direkt. Der ist ein ziemlicher Spezi in Sachen GPS und Fotografie 😉

  4. Erich Spenkoch sagt:

    Hallo,
    nachdem ich aus meinem Urlaub zurück bin, habe ich eure Erfahrungsberichte gelesen. Ich habe nun zum 2.Mal meinen Geotagger GT 01 im Urlaub in Mexico dabe gehabt. Nachdem ich beim ersten Urlaub den geotagger vorher nicht aufgeladen hatte, habe ich dieses mal meiner Meinung alles richtig gemacht. Das Resultat war gleich Null. Das Gerät hat nicht eine einzige Aufzeichnung gemacht. Zum Fotoapparat ist zu sagen, ich habe eine Canon 450 D. An was kann es liegen. Zur Info: Ich habe immer darauf geachtet dass der Geotagger auch richtig auf dem Blitzschuh sitzt.
    Es wäre schön etwas von euch zu hören.
    Gruß
    E. Spenkoch

  5. Hallo Erich,
    ich kenne jetzt deine Kamera nicht, deshalb kann ich hier auch nur eine vage Aussage zu deinem Problem machen. Als ich damals zu dem Gerät recherchiert habe, gab es irgendwo auch den Hinweis (evtl. auch direkt vom Hersteller), dass der Geotagger nicht mit allen Kameras korrekt funktioniert. Bei manchen Kameramodellen wird nämlich der Impuls des Auslösens (auf dass das Gerät ja wartet) nicht korrekt über die Schnittstelle am Blitzschuh übertragen. Dadurch kann natürlich keine automatische Aufzeichnung erfolgen. Als einzige „Lösung“ hieß es nur, dass über die Taste manuell eine Aufzeichnung des Standortes erfolgen kann.

    Wie gesagt: Das kann die Lösung für dein Problem sein, muss es aber nicht. Wobei die Bedienung des Gerätes eigentlich so einfach ist, dass da kaum etwas schief gehen kann.

    Wobei ich das Gerät zumindest vor der Reise mal getestet hätte, ob auch alles korrekt aufgezeichnet und anschließend am Computer korrekt verarbeitet wird. Übrigens, leuchtet die Lampe am GT-01 immer kurz auf, wenn der Auslöser an der Kamera bedient wird. Somit lässt sich direkt ablesen, ob eine Aufzeichnung erfolgt ist.

    • Erich Spenkoch sagt:

      Vielen Dank für die Info. Ich habe den Geotagger in Deutschland getestet. Hier funktioniert er einwandfrei, nur in Mexiko hat er beim fotografieren immer nur rot geplinkt.
      Ich hatte ihgn in Deutzschland mitz der gelieferten Software über meinen Laptop geladen. Liegt es vieleicht an der Zeitverschiebung? In Mexico habe ich natürlich die entsprechende Zeit an meiner Kamera eingestellt (zwei Zeitzonen).
      Gruß Erich

      • Wenn die Lampe am Geotagger bei der Aufnahme rot aufleuchtet, funktioniert eigentlich alles korrekt. Die verschiedenen Zeitzonen werden wohl die Ursache für dein Problem sein. Versuche doch den Abgleich noch mal, nachdem du deinen Computer vorher auf die mexikanische Zeit umgestellt hast.

        • Erich Spenkoch sagt:

          Du liegst mit deiner Annahme Falsch, dass wenn die Lampe rot aufleuchtet alles korrekt läuft. Wie ich jetzt festgestellt habe, muß die Lampe bei der Aufnahme grün leuchten.

        • Das möchte ich nicht ausschließen. Ich weiß nur, dass die Lampe bei der Aufnahme (irgendwie) aufleuchten muss. Den Geotagger hatte ich nur recht kurz gehabt.

          Ich würde darauf tippen, dass die rote Lampe bedeutet, dass der Geotagger keine Position empfangen konnte. Empfangsschwierigkeiten (grundsätzlich bei GPS Geräten) gibt es ja oft in Gebäuden. Das dürfte bei dir wahrscheinlich nicht die (Haupt)Ursache gewesen sein. Aber mehr kann ich leider auch nicht dazu sagen.

          Ein anderer Kommentator schreibt aber unten, das er mit dem Geotagger in Afrika auch Probleme hatte. Vielleicht funktioniert er nur in Europa?

    • Erich Spenkoch sagt:

      Hallo Christian,
      zur Info, ich habe eine Canon 450 D. Bei meiner zweiten Reise habe ich darauf geachtet, ob der Geotagger beim Auslösen der Kamera aufleuchtet. er leuchtete sowohl im Freien als auch in Kirchen immer rot. Ich hatte mich gefreut dass die daten jetzt gespeichert wurden. zuhause auf meinem Laptop kam dann die Anzeige „keine Daten Vorhanden“. Weil ich nicht sicher war ob ich alles richtig gemacht habe, habe ich einen früheren Kollegen mit hinzugezogen. Aber es hat nichts genutzt.
      Gruß
      Erich

  6. CS sagt:

    Also ich war eigentlich bisher zufrieden mit dieser LowCost Lösung .
    Innerhalb Europas hatte ich bislang keine Probleme, auf den Kanaren (Gran Canaria) auch nicht.
    Leider musste ich nun aber feststellen, das diese Lösung in Ostafrika(Kenia) nicht funktioniert. Über einen Zeitraum von 14 Tagen habe ich weder manuell noch über den Blitzschuh eine Verbindung bekommen. Das Ganze über eine Spannweite von über 1000km. Gerade in solchen Ländern möchte man das aber eigentlich nutzen 🙁

    Schade. Somit für mich nur bedingt brauchbar.

  7. Alexander sagt:

    Das GT-01 muß über den Computer geladen werden in der jeweiligen Zeitzone. Das Aufleuchten der roten
    Lampe signalisiert 1. der GT-01 ist nicht richtig angeschlossen. 2. Die Uhrzeit stimmt nicht. ( falsche Zeitzone) 3.Schwacher Akku.Habe Fotos in Grönland gemacht mit der entsprechenden Zeiteinstellung (Zeitzone ) ohne Probleme.

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